Da ich seit einigen Jahren Frauenbeauftragte der Hochschule bin, beschäftige ich mich natürlich mit Themen rund um Frauen, Männern, drittem Geschlecht und Gleichberechtigung.
Vor kurzen haben wir an der Hochschule für angewandte Wissenschaften einen Leitfaden zur gendersensiblen Sprache veröffentlicht (den ersten! um das generische Maskulinum "abzuschaffen"). Dieser war zusammen mit einer Checkliste Ergebnis mehrerer Sitzungen einer Arbeitsgruppe bestehend aus verschiedenen Personen aus der Hochschule.
Die Arbeitsgruppe trifft sich weiterhin um dem Beschluss des Bundes... nachzukommen auch Menschen in die Sprache einzubeziehen, die nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden können (das sind nach meinen Recherchen etwa 3 von 1000 Neugeborenen).
Die Veröffentlichung dieser Dokumente gibt für einige Angehörige der FHWS jetzt Anlass zur Diskussion, ob das denn überhaupt nötig wäre, da - so das Argument - das generische Maskulinum doch alle Geschlechter mit meint.
Nun muss ich ehrlicherweise gestehen, dass ich "früher" auch so dachte. Nachdem ich mich aber in den letzten Jahren vermehrt mit diesem Thema auseinandergesetzt habe, möchte ich hier ein Beispiel aufführen, dass allen Zweiflern vielleicht einen kleinen "Gedankenschubser" gibt:
Wenn man die Welt mal drehen würde - wie sie war bzw. sich entwickelt hat: Also stellen wir uns vor, Männer wären Frauen und andersrum. Frauen würden seit Jahrtausenden die Welt regieren, arbeiten und Männer die Kinder zu Hause hüten, kochen und insgesamt den Haushalt erledigen. Frauen würden demnach das "Geld heimbringen" und Männer erst seit ca. 100 Jahren wählen dürfen.
Lasst uns da mal hinein fühlen. Alles wäre schon immer im generischen Femininum formuliert, weil Frauen eben schon immer diejenigen waren, die in der Gesellschaft „wichtiger“ waren. Kundin, Professorin, Mitarbeiterin, Chefin, Teilhaberin, Schuldnerin,... das hätte sich so etabliert, dass das kürzere Wort, also die männliche Form, uns direkt komisch vorkäme. Männer sind natürlich auch eingeladen gewesen auf Bällen und Geschäftsessen, aber nur um zu unterhalten und hübsch auszusehen ;)
Liebe Männer, liebe Frauen, wie fühlt sich das an?
Und jetzt kommen die Männer und wollen gerne mitgenannt werden. Aber warum denn das? Ihr seid doch mitgemeint. Mitarbeiter, steckt doch schon in dem Wort Mitarbeiterin?
